Dienstag, 7. Juni 2011

Racing...

Vor genau einer Woche fragte mich Verena ob ich Lust auf ein 10.2km Rennen am Tag drauf hätte. Ihre Nachbarin würde dort laufen.
Zunächst zögerte ich noch; viel zu spontan, viel zu unfit und außerdem wurde mir bei dem Gedanken an ein Rennen schlecht. Andererseits ist Drücken feige und ich würde mich im Nachhinein bestimmt schlecht fühlen. Also schnell die Startgebühr überwiesen und ein halbes Vollkornbrot zum Carboloading verdrückt.
Am nächsten Tag war mir immer noch schlecht; kann man aber auch positiv sehen. Wer aufgeregt ist läuft schneller. Am späten Nachmittag nahmen wir den Zug nach Aigle. Davor noch Laugengebäck knabbern, Bananen lutschen und natürlich ausreichend hydrieren.
In Aigle war schon mächtig was los (878 Läufer). Ein paar hundert Menschen liefen sich warm und fast alle in knallblauen Trikots. Zwanzig Minuten später lief ich dann selber rum wie ein Schlumpf. Noch kurz warm laufen und sich von der Konkurrenz mit den rasierten Beinen einschüchtern lassen und schon waren wir fast zu spät für den Start. Wir konnten uns noch irgendwo im Mittelfeld einordnen, aber an einen Raketenstart war nicht mehr zu denken: die ersten Meter wurden im Trippelschritt zurückgelegt, der alsbald in einen dynamischen zick-zack-Lauf überging. Teils durch die Botanik, teils mit kurzen Zwischensprints durch die Lücken mussten wir uns vorarbeiten. Das kostet Kraft, aber egal, Hauptsache die pace hochhalten. Nach zwei Kilometern wurden die Abstände größer und das Überholen einfacher. Bei Kilometer drei pendelte sich die pace bei 3:52 ein, allerdings wurde mein Laufgrüppchen langsamer und ich musste wohl oder übel die Lücke zur nächsten Gruppe alleine "zulaufen". Dann eine Minute im Windschatten erholen und wieder ausbrechen, hinein in die nächste Lücke. 5km Durchgang bei 19:40. Voll im Plan. Bei Kilometer sechs eine Brücke. Vorsichtig hinauf, bloß nicht überziehen. Hinab mit schnellen langen Schritten. Zeit aufholen. Auslaufen, hinter einen Mitläufer klemmen, pace runter kriegen, dann weiter. Bei Kilometer acht habe ich jemanden im Schlepptau der mir in die nächste Lücke folgt. Ich lade ihn mit einen Wink dazu ein Führungsarbeit zu leisten. Ich bin ziemlich am Ende. Er ignoriert mein Zeichen. Ich muss mich jetzt voll konzentrieren nicht langsamer zu werden. Die Beine schmerzen, aber die pace steht. Bei Kilometer neun werde ich überholt. Mein "Schatten" hat noch Kraft für einen schnellen Kilometer. Ich ziehe an auf 3:45, kann aber nicht folgen. Egal. Muss mich darauf konzentrieren nicht zu kotzen. Endlich die 10km Marke. 39:02 Durchgang. Noch 200m. Der Andere ist etwa 25m vor mir. Ich ziehe den Endspurt an, aber auch er beschleunigt. Jetzt Körperspannung, voller Vorfuß, die Rakete zünden und Topspeed. Drei Meter vor dem Ziel fliege ich vorbei, den Zeigefinger der linken Hand zum Himmel gerichtet. Mit einer Zeit von 39Minuten und 41Sekunden habe ich mir den neunzigsten Platz (von 571 Männern) erkämpft :-)
Runtergerechnet auf 10km macht das eine 38:54. Verena hatte irgendwann abreißen lassen und kam etwa eine Minute nach mir ins Ziel, womit sie achte bei den Frauen wurde.
Fazit: mein erster Zehner unter vierzig Minuten! Allerdings hat die lokale Laufelite mal wieder gezeigt wo der Hammer hängt.

[da es leider keine Nettozeitnahme gab, ist die Zeit bei Datasport 20s langsamer als die von mir gestoppte]

3 Kommentare:

Michael hat gesagt…

Datasport sucks... die kriegen das immer wieder nicht auf die Reihe!
Herzlichen Glückwunsch, mein Lieber, ganz tolle Arbeit!

Jens hat gesagt…

Ich dachte zunächst, dass Nettozeit genommen würde, weil Chip an der Startnummer und Gummileiste auf dem Boden. Im Ziel kam mir dann aber jemand mit einem Handscanner hinterher gelaufen, der die Nummer registriert hat.

Steffen hat gesagt…

Großen Respekt! Danke für den schönen Laufbericht lieber Jens.